Beobachtungen

Unsere Sternwarte ist nicht ausschließlich für die Astrofotografie geplant und konzipiert worden. Wichtig war uns auch die Nutzbarkeit für wissenschaftliche Anwendungen. Besonders interessieren uns die Astrometrie von Kleinplaneten, hier besonders die Verfolgung von Near-Earth-Objekten (NEO) sowie die Photometrie von Veränderlichen Sternen. Dabei sind vor allem junge stellare Objekte (YSO) oder BL Lac-Objekte im Fokus. Alle auswertbaren Beobachtungen werden von uns an die jeweiligen nationalen oder internationalen Institutionen gemeldet. Das sind das Minor Planet Center der IAU (MPC), die American Association of Variable Star Observers (AAVSO) und die Bundesdeutsche Arbeitsgemeinschaft für Veränderliche Sterne e.V. (BAV e.V.).

Der Sternwarte Drebach-South wurde durch die Internationale Astronomische Union (IAU) der Observatory-Code L29 zugewiesen.

Astrometrie von Kleinplaneten

Bei der Astrometrie von Kleinplaneten werden die Positionen dieser Objekte im Raum zu einer bestimmten Zeit gemessen. Dazu werden vom Sternfeld, in dem sich ein interessantes Objekt befindet, mehrere Aufnahmen mit zeitlichem Abstand angefertigt und anschließend mit der Software Astrometrica vermessen. Die aus dieser Messung gewonnenen Positionsdaten werden dem MInor Planet Center (MPC) zur Verfügung gestellt. Aus den von vielen Beobachtern gewonnenen Positionen kann das MPC die genaue Bahn des jeweiligen Objektes ermitteln. Besonders wichtig ist dies bei Objekten die der Erde besonders nahe kommen können, den sogenannten NEO´s oder den potentiell gefährlichen Asteroiden (PHA). Eine genaue Beschreibung der Methodik der Astrometrie von Kleinplaneten finden Sie auf der Internetseite der Fachgruppe Kleinplaneten in der VDS.

Die bisherigen Beobachtungen von Kleinplaneten durch IAU L29 finden Sie unter http://mpec.jostjahn.de/L29-stat.html

Photometrie Veränderlicher Sterne

Mittels unserer Sternwarte werden auch photometrische Beobachtungen Veränderlicher Sterne durchgeführt. Besonders im Fokus stehen junge Sterne (YSO), Veränderliche Sterne, deren Typus noch nicht feststeht, Novae, also Sterne am Ende ihres „Lebensweges“ sowie sehr weit entfernte BL Lac-Objekte.

Die Messungen dienen zur Datengewinnung bei der Langzeitverfolgung dieser Objekte. Gerade am südlichen Sternhimmel gibt es noch eine Anzahl dieser Objekten, die nur wenige Beobachtungen aufweisen. Nachfolgend zwei Beispiele für Beobachtungen aus dem Jahr 2021:

VY Pav – Veränderlich, aber selten beobachtet

Die Grafik zeigt die Dichte der Beobachtungen von VY Pav. Dieser Veränderliche Stern befindet sich im Sternbild Pfau (Pavo) und weist eine Helligkeit von 11.84 mag im Ruhelict auf. Er wird derzeit dem Typ MISC zugeordnet, d.h. seine Veränderlichkeit ist bekannt, aber er konnte noch keiner Klasse zugeordnet werden, da die Beobachtungen bisher nur sporadisch stattfanden.
Der zeitliche Abstand zwischen der letzten Beobachtung und unserer Beobachtung beträgt 527 Tage. Das ist natürlich nicht unbedingt förderlich für eine kontinuierliche Verfolgung der Helligkeit dieses Sterns. Zumal in der Lichtkurve deutliche Helligkeitsänderungen ersichtlich sind.
Ziel ist es jetzt, diesen Stern weiter zu verfolgen, um die Anzahl der Datenpunkte zu erhöhen und um eine Klassifizierung zu ermöglichen.

WX Hyi – Beobachtung eines Superausbruchs

Ein weiteres Beispiel ist der Stern WX Hyi im Sternbild Wasserschlange. Hierbei handelt es sich um einen SU UMa-Stern, der in mehr oder minder regelmäßigen Abständen Ausbrüche zeigt. Der Stern kann bei einem sogenannten Superausbruch mehr als zwei Magnituden heller als im Ruhelicht werden. Im Ruhelicht weist er lediglich eine Helligkeit von 15.9 mag auf. Die nachfolgende Grafik zeigt eine Vielzahl an visuellen und CCD-Beobachtungen. Allerdings streut die Lichtkurve sehr stark. Uns ist es hier gelungen, einen Ausbruch zu verfolgen. Die rot eingekreisten Datenpunkte von drei Beobachtungen zeigen den steile Anstieg und Abfall innerhalb kurzer Zeit. Unsere Datenpunkte sind im rechten Teil der Grafik rot eingekreist.
Wir hatten das Glück, einen dieser Superausbrüche zu erwischen.

Die Beobachtungen wurden in drei Nächten (3., 4. und 8.9.2021) mit jeweils 15 Messungen durchgeführt. Ziel wird hier bei weiteren Beobachtungen sein, diesen Stern nochmals um einen Superausbruch herum mit noch höherer Dichte an Messungen über mehrere Nächte zu verfolgen, um eine vollständigere Lichtkurve zu erhalten. Auch um Ruhelicht ist der Stern interessant, da er auch hier eine Veränderlichkeit im Bereich von 0.2 – 0.3 mag.

Alle Beobachtungen der gezeigten Beispiele wurden über die AAVSO der Wissenschaft zur Verfügung gestellt und können dort zur Auswertung abgerufen werden.

Vielen Dank an Joachim Lorenz, der die Beobachtungen im September 2021 vor Ort mit unserem Astrografen durchgeführt hat.

Quelle der Grafiken: http://www.aavso.org
Stand: 13.02.2022

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